Über uns

Ein Streifzug durch unsere Vereinsgeschichte

 – 1923 –

„Lasst uns zusammen musizieren“ –

Dies mag einer der aktivierenden Leitgedanken gewesen sein, der Anfang der 1920er Jahre junge, musikinteressierte Männer aus Messinghausen zusammenführte und dazu bewog, diese Form des Zusammenwirkens zu erlernen und weiterzuvermitteln. Damals bildeten sich in Messinghausen fast gleichzeitig zwei Kapellen, die sich zunächst unabhängig voneinander entwickelten.

Erste Bestrebungen in Messinghausen eine Blaskapelle zu etablieren gingen vom Männergesangverein „Concordia“ aus. Dort hatte man schon im Anschluss an das 25. Stiftungsfest im Jahre 1922 über die Gründung einer Blaskapelle nachgedacht. Im darauffolgenden Jahr 1923 wurde dann in den Reihen des MGV eine Musikabteilung gegründet, die sich den Namen des Reichskanzlers Wilhelm Marx (1863 – 1946) zu eigen machte.

Im selben Jahr bildete sich im Ort noch eine zweite Blaskapelle, die sich bei ihrer Namensgebung an Paul von Beneckendorff und Hindenburg (1847 – 1934) orientierte. 

Obwohl die Bezeichnungen „Marx“ und „Hindenburg“ auf den ersten Blick den Rückschluss auf eine entsprechende politische Motivation nahelegen, wurde hierdurch vielmehr eine schwelende, die Wohnlage betreffende Rivalität zwischen den Bewohnern des Ober- und Unterdorfes zum Ausdruck gebracht, wobei die Grenze zwischen diesen beiden „rivalisierenden Ortsteilen“ die Bahnlinie darstellte.

Kapelle „Marx“ aus dem Oberdorf setzte sich vorwiegend aus Musikern des Gesangvereins zusammen. Vereinslokal war der Gasthof Plett (später Borgschulte), wo unter der Anleitung des Kapellmeisters Johannes Cramer (Hoppecke) die Proben stattfanden.

Die Gründungsmitglieder waren:

Albert Kappe, Josef Stuhldreier, Engelbert Schütte, Heinrich Schütte, Josef Stratmann, Franz Bunse, Anton Brandenburg, Franz Plett, Karl Frese, Anton Kersting, Franz Schmidt, Fritz Müller, Josef Götte, Anton Schütte, Heinrich Becker.

Als bedeutender Mitbegründer der Blaskapelle gilt Albert Kappe, der neben seinem Dirigentenamt im MGV die notwendige Korrespondenz der neu gegründeten Musikformation führte. Aus dem Gründungs- aber auch Inflationsjahr 1923 liegen zwei an Albert Kappe adressierte Angebote über Musikinstrumente vor. Danach wurde eine neue Trommel mit 500.000 Reichsmark gehandelt. Eine gut erhaltene Trompete kostete zu jener Zeit 300.000 Reichsmark und eine wenig gebrauchte Tuba wurde für 950.000 Reichsmark angeboten.

Begründer der Kapelle „Hindenburg“ aus dem Unterdorf war August Grawe, der schon zuvor musikalische Kenntnisse und Fertigkeiten in Madfeld erworben hatte und diese an die angehenden Musiker seiner Kapelle weitergab. Als Vereinslokal erwählte man den Gasthof Muffert (später Pickart und Linnemann). 

Die Kapelle Hindenburg” setzte sich zusammen aus den Musikern:

Wilhelm Becker,  Anton Bunse,  Franz Deckelburg, Fritz Drilling, Paul Göbel, Anton Grawe, August Grawe, Josef Grawe, Heinrich Schmidt, Herbert Stratmann, Johann Stratmann. 


– 1926 –

Unter Kapellmeister Johann Cramer waren die musikalischen Kenntnisse und Fertigkeiten infolge intensiver Probenarbeit bald soweit entwickelt, dass sich die Kapelle „Marx“ im Jahr 1926 erstmals als Festkapelle empfahl. Sie erhielt daraufhin den Zuschlag zur Ausführung der Festmusik anlässlich der Schützenfeste in Helminghausen und Meerhof.

Auch Kapelle „Hindenburg“ hatte dank regelmäßiger Proben bald jenen Stand erreicht, der es ihr ermöglichte, Feste in der näheren und weiteren Umgebung zu bestreiten. So konnte im Jahr 1926 die musikalische Umrahmung des Schützenfestes in Heinrichsthal bei Meschede übernommen werden.

Je nach Witterung und Anlass traten die Musikanten entweder in weißer, später dunkler Hose, dunkler Jacke und Schirmmütze oder aber im Gehrock nebst Zylinder auf.

Auf Grund der Bevorzugung von Gehrock und Zylinder ergab es sich, dass die Musikanten aus Messinghausen in den Orten der Umgebung als „Zylinderkapelle“ bekannt wurden. Diese Bezeichnung übertrug sich in abgewandelter Form auch auf die Bewohner Messinghausens: ihnen verhalf der zunehmende Bekanntheitsgrad der beiden ortsansässigen Kapelle zu dem Spitznamen „Zylindervolk“, der ihnen für lange Zeit anhaftete. 

Angesichts der veränderten politischen Verhältnisse, Hindenburg hatte sich bei der Wahl zum Reichspräsidenten gegenüber Marx durchgesetzt, wurde es für die Musikabteilung des MGV zunehmend schwieriger, sich unter ihrem bisherigen Namen als Festkapelle zu empfehlen. Im Protokollbuch des Kriegervereins über die Durchführung eines Kriegerfestes heißt es:

[…] „Falls die Kapelle des Gesangvereins auch unentgeltlich spielen will, soll dieselbe ebenfalls zugelassen werden.“ […]

Aus Sicht einer Kapelle, die sich unter dem Namen „Marx“ empfohlen hatte, musste eine derartige Billigung seitens des Kriegervereins natürlich als großzügige Geste aufgefasst werden. Um weiteren Vorbehalten entgegenzuwirken, trennte sich die Musikabteilung des MGV von ihrem umstrittenen Namen „Marx“ und trat nunmehr unter der Bezeichnung „Musikchor Concordia Messinghausen“ auf. 


– 1931 –

Dass die seit 1958 bestehende Zusammenarbeit mit der St. Johannes Schützenbruderschaft Oesdorf nur “Liebe auf den zweiten oder dritten Blick” war, zeigt folgendes Angebot vom 11.04.1931:

Dabei betonte Kapellmeister August Grawe, dass der Preis von 290,- RM für die Gestaltung des Oesdorfer Schützenfestes mit zwölf Mann nochmals äußerst reduziert wurde. Dieses Angebot wurde von den Oesdorfern bekannterweise nicht angenommen und man fand erst 27 Jahre später zusammen.

Kapelle ,,Hindenburg” führte bereits mehr oder weniger inoffiziell den Namen ,,Musikverein Messinghausen”. In einem Auszug aus dem Protokollbuch des Kriegervereins anlässlich der Einweihung des Kriegerdenkmals für die Gefallenen des ersten Weltkrieges am 3. September 1933 heißt es:”[…] Auf dem Ehrenplatze nahmen sämtliche Vereine ihre Aufstellung. Nachdem der Musikchor Concordia den Choral gespielt hatte, begrüßte Kamerad Kappe die Herren Ehrengäste und die Vereine sowie die Angehörigen der Gefallenen und alle Ortsbewohner, die sehr zahlreich erschienen waren. Ferner dankte derselbe den zwei Musikkapellen: Musikverein Messinghausen und Musikchor Messinghausen, die sich bereitwillig in den Dienst des heutigen Tages gestellt hatten, […]

Nach dem offiziellen Festakt marschierte alles in die Schützenhalle. Die beiden Musikvereine spielten abwechselnd Konzertstücke und der Gesangverein trug einige Lieder vor. […]” 

Auf Initiative des Begründers und Leiters der Kapelle ,,Hindenburg”, August Grawe, erfolgte 1934 der Zusammenschluss beider Musikgruppen. Grawe bestimmte fortan die Geschicke der ,,Vereinigten Musikkapelle Messinghausen”. In der neuen Formation präsentierte man sich erstmals anlässlich des Schützenfestes in Messinghausen 1934. Bis 1939 hatte die ,,Vereinigte” reichlich Gelegenheit, sich bei Schützen- und Kriegerfesten, Prozessionen und anderen musikalischen Anlässen einen guten Namen zu machen.

Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde das Vereinsleben empfindlich gestört und kam bald völlig zum Erliegen. Viele Musiker wurden zum Kriegsdienst eingezogen, so dass an regelmäßige Proben oder gar Auftritte nicht zu denken war. Nach dem Zusammenbruch 1945 blieb die musikalische Betätigung zunächst auf kleine Kreise beschränkt, da die Siegermächte jeder Art von Vereinigung äußerst misstrauisch gegenüberstanden. Dennoch ließen sich die vom Kriegsdienst verschont gebliebenen Musiker nicht davon abhalten, die aus dem Felde und später aus der Gefangenschaft heimkehrenden Kameraden mit Marschmusik am Bahnhof zu empfangen und in einem kleinen Festzug nach Hause zu geleiten. Auch Kapellmeister August Grawe geriet in Gefangenschaft. Während seiner Abwesenheit vertraten ihn sein Bruder Anton Grawe und Fritz Müller. Äußeres Zeichen des musikalischen Wiederbeginns waren die Aufstellung und Verabschiedung einer Vereinssatzung sowie die offizielle Bezeichnung ,,Musikverein Messinghausen 1923“. 

lm Jahr 1947 umrahmte der Musikverein das erste Nachkriegsschützenfest in Messinghausen.


– 2021 –

Heute, im Jahr 2021 können wir auf 98 Jahre Vereinsleben zurückblicken. Der Musikverein Messinghausen besteht aktuell aus ca. 35 aktiven Musikerinnen und Musikern und ungefähr 10 Jungmusikern in Ausbildung.

Seit über 60 Jahren fährt man jedes Jahr zum Schützenfest in Oesdorf als Festmusik und spielt auch schon seit 15 Jahren das Schützenfest in Wülfte. Erstmalig werden wir in diesem Jahr das Schützenfest in Husen begleiten, so Corona will natürlich (Edit: Corona wollte 2020 nicht, 2021 ist noch offen!).

Zu den Auftritten im Jahr zählen weiterhin ein Adventskonzert in der Kirche, ein Sommerfest (Sommerkonzert), das Büttenfest des MCC, das eigene Schützenfest in Messinghausen sowie einige Blasmusik- und/oder Tanzmusikabende.

Bis wir im Jahr 2023 auf 100 Jahre Musikverein Messinghausen zurückblicken können, wartet sicherlich noch viel Arbeit, aber auch viel Musik auf alle Mitglieder und Freunde!

Foto: Musikverein Messinghausen im Sommer 2017

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